In diesem Testfall wird
die Schicht, in der das logarithmische Wandgesetz gilt, isoliert betrachtet.
Das logarithmische Wandgesetz wurde in Abschnitt 2.2.1
eingeführt.
In diesem Zusammenhang sei auch auf die Ausführungen im letzten Absatz
von Abschnitt 6.8 verwiesen.
Ein wesentlicher Zweck von Turbulenzmodellierung ist die Berechnung von
Wandreibung. Daher macht es Sinn, für alle Turbulenzmodelle zu untersuchen,
wie genau sie Wandgrenzschichten mit den darin vorkommenden Bereichen
logarithmischer Geschwindigkeitsverteilung erfassen können.
WILCOX [143] zeigt für 2-Gleichungs-Modelle, inwieweit diese
Untersuchungen auf analytischem Wege möglich sind.
Mit der Grenzschichtannahme und der Annahme einer konstanten
Schubspannung9.7 lässt
sich das k--Modell Gln. (7.1) und (7.2)
wie folgt reduzieren [143]:
(9.21)
(9.22)
Es bleiben also die Produktions-, Diffusions- und Dissipationsterme übrig.
Da die Diffusions- und Dissipationsterme in den vorangegangenen
Tests überprüft worden sind, lässt sich an diesem Testfall also erproben, ob
die Produktionsterme den Erwartungen entsprechend funktionieren.
Die Erwartungen für diesen Fall resultieren aus der von WILCOX [143] angegebenen Lösung:
(9.23)
(9.24)
(9.25)
mit
Schubspannungsgeschwindigkeit und
Integrationskonstante.
Dabei ergibt sich für die KARMAN-Konstante :
(9.26)
mit
,
,
und
Modellkonstanten.
Die hier vorgenommene Implementierung des Turbulenzmodells führt
ohne weitere Angabe von Randbedingungen an der
Wasseroberfläche zu einem Verschwinden der vertikalen Flüsse der
Turbulenzgrößen, d.h. die vertikalen Gradienten von k und
sind an der Wasseroberfläche Null.
Am oberen Rand der in diesem Abschnitt berechneten Schicht,
bei dem es irreführend wäre, diesen Rand Wasseroberfläche zu nennen,
verschwindet aber der diffusive Fluss der Dissipationsrate nicht.
Daher ist im Testfall dieses Abschnitts die Dissipationsrate am oberen Rand
gemäß der analytischen Lösung
Gl. (9.24) fest vorgegeben worden.
Geschwindigkeiten und Turbulenzgrößen werden auf zueinander versetzten Netzen
diskretisiert,
zudem ist die Gewässersohle nicht mit einem Knoten identifiziert, sondern
unabhängig vom Netz vorgegeben, siehe Kapitel 8.
Daher werden die Gln. (9.23) bis (9.25)
auch dazu benutzt, den Abstand
zwischen der tatsächlichen Sohle und dem sohlnächsten Diskretisierungspunkt
zu überbrücken.
Um eine Schicht mit konstanter Schubspannung zu erhalten, ist am oberen Rand
des Berechnungsgebiets eine Schubspannung von 30 N/
in Längsrichtung des diskretisierten geraden Kanals mit ebener Sohle vorgegeben
worden.
Am Zu- und Auslauf ist derselbe Wasserstand von 2,0 m vorgegeben.
In diesem Testfall wurde die Konvektion der Turbulenzgrößen ausgestaltet,
so dass sich an jeder Vertikalen identische Resultate ergeben.
Bild 30a
zeigt die Verteilung der Dissipationsrate
und Bild 30b
die Verteilung der Wirbelviskosität
in Abhängigkeit des Sohlabstands z.
Diese können von ,,casu`` problemlos reproduziert werden.
In Bild 31
sind die Verläufe der Geschwindigkeit in Kanallängsrichtung
dargestellt. Durch einen ,,unnatürlich`` großen Reibungsbeiwert wurde die
Geschwindigkeit in Sohlnähe nahe Null gebracht.
Bild 31a
visualisiert die Geschwindigkeiten in der gesamten Schicht.
Bild 31b
zeigt
als Ausschnitt die Geschwindigkeiten im sohlnahen Teil der Vertikalen.
In der Berechnung, deren Ergebnisse
Bild 31c
zeigt, sind in der
vertikalen Diskretisierung in unmittelbarer Sohlnähe zwei zusätzliche
Berechnungspunkte eingefügt worden. Das führt dazu, dass keine nennenswerten
Abweichungen zur analytischen Lösung mehr auftreten. Diese Verfeinerung
zeigt aber auch, dass zur korrekten Simulation der großen Krümmungen
des Geschwindigkeitsprofils in Sohlnähe eine feine Diskretisierung erforderlich
ist.